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Kapitel 3 (j)

3.10 Perl

Perl (Practical Extraction and Report Language) wurde 1986 von Larry Wall entwickelt. Damals arbeitete dieser in einer Firma in den Vereinigten Staaten, die jeweils eine große Unix-Workstation an der Ost- und an der Westküste besaß. Er wurde beauftragt, ein Programm zu schreiben, das diese von einer zentralen Stelle aus administrieren sollte. Da die Verwaltung solcher Rechner auf der Übertragung von vielen hauptsächlich Textdateien beruht, setzte er sein eigenes zuvor entwickeltes News-System ein.

"There's more than one way to do it." - Larry Wall, Erfinder von Perl

Da die Texte natürlich auch noch modifiziert werden mußten, bediente Wall sich des Unix-Tools awk, das aber schon bald nicht mehr seinen Anforderungen genügte und so erweiterte er es. Die Erweiterungen gingen schließlich so weit, daß aus awk ein völlig neues Programm wurde: Perl.

Als Wall die Firma verließ, nahm er seine neugeschaffene Sprache mit, veröffentlichte sie in der Newsgroup comp.sources 1987 im Internet und erhielt sehr positive Rückmeldungen, Verbesserungsvorschläge und weitere Wünsche [28].

Relativ schnell und mit Hilfe anderer Programmierer schuf er die neuen Versionen 2 (1988), 3 (1989) und 4 (1991). Das dritte Release war das erste, das unter einer Lizenz verbreitet wurde, der GPL, mit der vierten kam eine neue Lizenz hinzu: die Perl Artistic Licence, die etwas näher auf die Aspekte einer Programmiersprache eingeht.

Mit Version 5.0 fand 1994 eine nahezu komplette Neuentwicklung von Perl statt. Neben Geschwindigkeitsverbesserungen wurden unzählige neue Features eingebaut, u.a. Objekte. Schon die Versionen 3 und 4 waren weitaus mehr als eine Sprache zur Manipulation von Texten, da sie auch mit Binärdaten umgehen konnten, aber erst Perl 5 brachte von Haus aus alle Möglichkeiten einer Allzweck-Programmiersprache mit. Zudem wurde die Dokumentation sehr stark überarbeitet und ist heute mit über 1000 Seiten das Standardwerk für den engagierten Perl-Programmierer.

Heute wird Perl von ca. 100 Programmierern weiterentwickelt und ist auf vielen Plattformen portiert worden, z.B. Solaris, HP-UX, AIX, Linux, MacOS, OS/2, Windows und VMS.

Das Hauptanwendungsgebiet von Perl liegt in der Entwicklung von Internet/Intranet-Applikationen, besonders im Bereich der CGI-Programmierung, in dem Perl seine Fähigkeiten zur Handhabung von Texten voll ausspielen kann. Ebenso wird es als Netzwerk- und Systemadministrationswerkzeug auf Unix-Systemen verwendet. Dazu werden Funktionen und Methoden in sogenannten Perl-Modulen bereitgestellt, die aus dem Internet frei heruntergeladen werden können.

Larry Wall erklärt den Erfolg von Perl mit seiner Flexibilität. Es vereint in sich die Vorteile unzähliger Sprachen. Schließlich hat Wall, als er Perl entwickelte, Features von Sprachen wie C++, sh, Fortran, COBOL, PL/I, LIPS, ADA und Unix-Tools wie awk und sed eingebaut. Es besitzt eine Art Überbrückungsfunktion zwischen bestimmt eingesetzten Informationstechnologien, beispielsweise bei einer interaktiven, datenbankgestützten Web-Site. Perl wird dehalb auch als eine Art flüssiger Klebstoff (glue) bezeichnet.

"Easy things should be easy, and hard things should be possible." - Larry Wall, Erfinder von Perl

Laut Wall schreibt Perl seinen Programmierern nicht vor, wie sie zu programmieren haben, sondern überläßt ihnen die größtmögliche Freiheit, woher auch Walls Slogan "There's more than one way to do it" stammt.

Auf der ersten Perl-Konferenz im August 1997 in San Jose, Kalifornien, plädierte Larry Wall in einer ergreifenden Rede für einen neues Modell, in dem die freie Software-Szene und die kommerzielle Gemeinde zusammenarbeitet, denn beide beherrschen Dinge, die die andere Seite nicht beherrscht. Für dieses Kooperationsmodell müßte aber, so Wall, zunächst ein Waffenstillstand geschlossen und Vorurteile beseitigt werden.

Perl ist eine sich ständig in Bewegung befindliche Software. In naher Zukunft könnte Perl wieder eine große Umstrukturierung erfahren, da der digitale Text, deren Manipulation das Markenzeichen von Perl darstellt, ebenfalls einen Wandel durchläuft. Die zunehmende Internationalisierung in der Softwarebranche bringt einen neuen Text-Standard hervor, Unicode, dessen Unterstützung neben XML zu Walls primären Zielen gehört.


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