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Kapitel 6 (d)

6.2.2 Freie Software als Vollprodukt

Kauft jemand einen Armani-Anzug oder eine Stereoanlage von Bang & Olufsen, so zahlt er nicht für den Stoff, das Plastik oder das Metall, sondern für das gesamte Produkt einschließlich seines populären Namens. Genau hier liegt die wesentliche Bedeutung des Geschäftsmodells "Freie Software als Vollprodukt". Es beinhaltet das Marketing als die Strategie zur Gewinnerwirtschaftung. Mit einem Namen, bzw. einem Markenzeichen ist der Absatz eines Produkts (mit entsprechendem Preis) deutlich leichter zu bewerkstelligen. Red Hat hat diese Methode erfolgreich beim Vermarkten seiner Linux-Distribution angewendet und eine riesige Anwenderbasis geschaffen.

Interessant ist aber, daß die Herstellung eines solchen Produkts nicht einmal im eigenen Hause stattfinden muß. Red Hat und S.u.S.E. entwickeln zwar selber Software, aber sie nimmt nur einen verschwindend geringen Teil in ihren Produkten ein, denn Linux selbst ist ja eine Entwicklung der Open-Source-Gemeinde. Vielmehr werden die einzelnen Programmkomponenten zu einem konsistenten System aggregiert, eine nicht zu unterschätzende Dienstleistung.

Aber auch außerhalb des Linux-Sektors finden sich schnell Unternehmen, deren Name das ausschlaggebende Verkaufsargument ist. Cygnus und mittlerweile auch Scriptics (Tcl/Tk) gehören dazu. Ihnen allen ist gemein, daß die Open-Source-Software, die sie als Basis nutzen, von einer Reihe von Dienstleistungen begleitet wird. Wartung und Pflege müssen nun mal dazugehören, wenn ein vollwertiges, namhaftes Produkt etabliert werden soll. Aber auch Consulting, Training und Schulungen fördern den Produktwert. Besonders kostbar kann dieser Service werden, wenn er zu einem speziellen Produkt angeboten wird, das auf einen reduzierten Nischenmarkt abzielt. Zwar ist dann der sonst eher allgemeine Nutzungswert von freier Software reduziert, aber die dazugehörigen Dienstleistungen sind konkurrenzarm. Wieder ist Cygnus - im Embedded-Systems-Bereich tätig - hier ein Paradebeispiel.

Die "Fertigung" eines umfassenden Open-Source-Produkts samt Service verlangt einen hohen Einsatz und genaue Überlegungen. Die Red-Hat-Gründer Young und Ewing haben mehrere Jahre mit der Beobachtung verschiedener Branchen (Autoindustrie, Lebensmittelindustrie) zugebracht, um festzustellen, das auch Open Source einen Namen, eine Marke braucht, um verkauft zu werden. Für ein solches Geschäft muß die Philosophie aufgebracht werden, auf die freie Software basiert. Während Programmierer das soziale Gefüge, das sie begleitet, schnell akzeptieren und schätzen, haben viele Manager noch des öfteren Schwierigkeiten [44].

6.2.3 Freie Software als Nebenprodukt

Freie Software als Nebenprodukt ist hier nicht als eine Art Abfall der sonst üblichen Produktlinie zu sehen. Stattdessen meint es eine freie Komponente in einem komplexeren System. Die beliebteste Anwendung dieses Geschäftskonzepts besteht darin, Open-Source-Software als Basis für ein eigenes, "wertverbessertes" Produkt (value-added product) zu wählen. C2Net nimmt für seinen Web-Server Stronghold den freien Apache als Grundbaustein und erweitert ihn um ein nicht-freies Kryptografiemodul. IBM betreibt ebenfalls den Apache Web-Server innerhalb der Web-Sphere-Produktreihe. Sendmail Inc. baut das eigene sendmail, das auch weiterhin frei bleibt, zu einer kompletten E-Mail-Server-Suite mit grafischer Administrationsoberfläche und anderen Tools aus.

Eine völlige "Ausbeutung", also die Umwandlung der benutzten freien Softwarekomponente zusammen mit den eigenen Entwicklungen zu einem vollständig proprietären Produkt ist nur dann möglich, wenn die Lizenz des Open-Source-Programms dieses zuläßt. Die BSD-Lizenzen erlauben dies, die GPL nicht.

Bei einem zusammengesetzten Produkt, dessen Gewinn mehr durch Support und Service statt durch Verkauf erzielt wird, sollte in Erwägung gezogen werden, auch die eigenen Erweiterungen zu Open Source zu erklären, solange sie einen allgemeinen Nutzen haben und nicht in einem allzu speziellen Gebiet Einsatz finden.

Einige Hersteller veröffentlichen freie und nicht-freie Versionen des gleichen Produkts. Während die nicht-freien eher auf den kommerziellen Kunden zielen, sind die freien Versionen für den Privatanwender gedacht. Hier besteht also eine (durchaus nicht einfach vorzunehmende und durchzusetzende) Unterteilung nach Art des Einsatzes oder der Nutzergruppe. Troll Techs Toolkit Qt und Aladdins Ghostscript bedienen sich dieses Modells.


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