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Kapitel 6 (e)

6.2.4 Freie Software als Lockmittel

Mit der Veröffentlichung des Quelltexts seines Browsers gilt Netscape als das beste Beispiel für das Modell des "Loss Leader". Die kostenlose Verteilung der nun freien Software wirkt als Lockmittel, um Kunden an die gewinnträchtige, proprietäre Produktpalette heranzuführen, die dann den Einkommensverlust wieder ausgleicht oder übertrifft. Zusätzlich kann eine stärkere Marktposition oder zumindest das Überleben der freigegebenen Software gesichert werden. So wurde im Falle des Browser-Kriegs Microsoft daran gehindert, mit dem Internet Explorer ein Monopol zu errichten und die Konkurrenten - in erster Linie also Netscape - aus dem Geschäft zu drängen.

Ideal läßt sich diese Taktik anwenden, wenn zwischen dem freien Lockprodukt und der proprietären Software ein direkter Zusammenhang besteht, beispielsweise als zwei Komponenten einer Client/Server-Umgebung, wobei der freie und kostenlose Client die Anwender/Kunden zum nicht-freien Server führt.

Die Öffnung einer proprietären Software stellt aber auch ein Risiko dar, das aber durch eingehende Vorbereitungen verringert werden kann. So sollte das Projekt alle Eigenschaften einer typischen Open-Source-Software, wie sie in Abschnitt 1.5 und 5.2 beschrieben wurden, erfüllen: die passende Infrastruktur, hohes Entwicklungspotential, um neue Programmierer anzulocken usw. Der Quellcode selber muß von nicht-freien Beiträgen Dritter befreit oder durch gleichwertige freie Software ersetzt und modularisiert werden. Überlegungen gelten auch Exportbestimmungen (Kryptografie), Patenten und der der auszuwählenden Open-Source-Lizenz [45].

6.2.5 Freie Software zur Markterschließung

Für Hardwarehersteller interessant ist die Möglichkeit, freie Software zur Erschließung des Markts zu nutzen. Die hardwarenahe Software, die sie produzieren, also Treiber und Systemprogramme, sind notwendiges Nebenprodukt und erbringen keinen Gewinn. Fehlt der Verkaufswert, ist es folgerichtig auch kein Verlust, diese Software als Open Source freizugeben. Der Vorteil schlägt sich darin nieder, daß der Hersteller schnell viele neue Softwareentwickler gewinnt, die für seine Plattform Programme schreiben. Die durch die Öffnung der Quelltexte ebenso offengelegten Hardwarespezifikationen bewirken eine schnelle Verbreitung und eine gute Unterstützung der Hardware, egal ob Chipsatz, Grafikkarte oder ein ganzes Rechnersystem; äußerst wichtig bei deren kurzen Lebenspannen und Produktzyklen. Beispiele für dieses Geschäftsmodell sind Corel mit dem Linux-basierten Netwinder, VA Linux Systems, Adaptec und SGI.

"Wenn es stimmt, daß mit dem Open-Source-Modell komplexe Software wie ein Betriebssystem stabil, performant und mit breiter Funktionalität geschrieben werden kann, dann kann sich keine Softwarefirma leisten, dieses Phänomen zu ignorieren." - Karl-Heinz Hess, SAP-Manager

Die andere Art der Markterschließung betrifft Softwareunternehmen, die Versionen ihrer proprietären Produkte auf Open-Source-Plattformen anbieten. Zahlreiche Anfragen von Kunden bezüglich der Linux-Unterstützung ließen Hersteller wie Oracle, IBM, Sybase und SAP aufhorchen und resultierten schließlich innerhalb kurzer Zeit in Linux-Versionen der berühmten Datenbanken und Betriebswirtschaftssoftware.


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