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Kapitel 7 (a)

Schlußwort

7.1 Die Hacker-Gemeinde

Die Hacker-Gemeinde ist die gesellschaftliche Wiege freier Software. Einige ihrer Grundsätze wurden bereits in Abschnitt 5.2.3.1 beschrieben. Es lohnt jedoch ein genauerer Blick auf die soziale Struktur und die Verhaltensregeln, die in dieser Gemeinschaft gepflegt werden.

Zu den wichtigsten Prinzipien der Hacker-Gemeinde gehört das gemeinschaftliche Arbeiten im Sinne von "sharing spirit, sharing brain". Statt die eigenen Arbeitsergebnisse - den Quelltext der Programme - geheimzuhalten, teilt man sie mit vielen Gleichgesinnten, um ein besseres, stabileres und sichereres Ergebnis in kurzer Zeit zu erreichen. Das Individuum erhält durch gute Beiträge Anerkennung und Aufmerksamkeit, die ihm einen hohen sozialen Status erbringen. Es gibt seine Ideen preis und erhält dafür das gesamte Wissen aller anderen. Eine solche "Kultur des Schenkens" (gift culture) [50], wie sie Eric Raymond nennt, wird noch heute in einigen Stämmen, die auf den pazifischen Inseln beheimatet sind, praktiziert.

"In agonic societies, you gain status by asserting dominance over others. In hedonic societies, you gain status by drawing attention to yourselves. Open source is a hedonic culture." - Eric Raymond

Grundsätzlich ist es jedem technikbegeisterten Menschen möglich, sich an einem freien Software-Projekt zu beteiligen. Ob er dann auch den Status eines Hackers erlangt, hängt davon ab, ob die anderen Mitglieder ihn als solchen akzeptieren. Hacker ist ein jeder, der Hacker genannt wird. Die Regeln, die in diese Gemeinde kultiviert werden, lernt man mit der Zeit anhand von Beispielen oder durch Fehler. Öffentliche Selbstdarstellung, Beschuldigungen und Mißbilligung der Arbeit anderer sind verpönt und können zu einem Ausschluß aus der Gemeinde führen. Es wird zwar häufig aufgrund der Ideologie einzelner Hacker gestritten, aber über das normale Maß hinausgehende Kritik bezüglich der Arbeit - also der entwickelten Programme - wird selten geübt.

Hacker lieben das Programmieren. Sie sehen es nicht nur als Handwerk, sondern auch als Kunstform. Manchmal läßt sich gar eine Besessenheit feststellen, die Ähnlichkeit mit der Detailverliebtheit und dem Arbeitseifer in der mittelalterlichen Kunst aufweisen, sei es das Teppichknüpfen, das Schmiedehandwerk oder die Malerei. Diese technische Begabung in einer technischen Kultur wird von einer Ideologie begleitet, deren Ausprägung von Pragmatismus bis Fanatismus reicht und bei jedem anders ausfällt.

Zwar sieht sich die Hacker-Gemeinde als offen und nicht als kleines Grüppchen Erleuchteter, aber trotzdem ist ihnen eine Abgrenzung zu "benachbarten" Kulturen wichtig. Besonders von den Crackern versucht man sich zu distanzieren. Cracker sind diejenigen, die in fremde Computersysteme eindringen, um Schaden anzurichten, indem sie Viren hinterlassen, Daten stehlen oder verfälschen. Leider werden diese Menschen oft als Hacker bezeichnet; ein Mißverständnis seitens der Medien.

Daß die Gruppenarbeit in der Hacker-Gemeinschaft äußerst effektiv sein kann, zeigen die vielen erfolgreichen freien Software-Projekte. Ob die Arbeitsprinzipien auch anderswo angewendet werden können, hängt von der persönlichen Einstellung ab. Nicht jeder kommt mit einer fehlenden, strengen Hierarchie ohne Autorität und den alternativen Besitz- und Eigentumsverhältnissen im Sinne der Allgemeinheit zurecht.


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