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Kapitel 2 (a)

Organisationen

Die folgenden beiden Kapitel beschäftigen sich mit den wichtigsten Organisationen und Projekten, die unter dem Stern der freien Software stehen. Unter Organisationen werden in diesem Fall sowohl Gemeinschaften wie die Free Software Foundation oder die Open Source Initiative, die nicht profitorientiert arbeiten, als auch Firmen wie Red Hat - bekannt durch ihre Linux-Distribution - verstanden.

Ihnen allen ist gemein, daß sie Interesse hegen, freie Software zu erstellen und zu verbreiten, aber auch Aufklärungsarbeit zu leisten. Gerade letzteres gehört zu den wichtigsten Aufgaben, denn trotz der Popularität einiger freier Software, insbesondere des Betriebssystems Linux, ist die Skepsis ihr gegenüber immer noch groß.

In engem Zusammenhang mit den Organisationen stehen große Projekte freier Software. Das beste Beispiel dazu ist das GNU-Projekt, das mit seinen zahlreichen, nützlichen Programmen zum Symbol für freie Software geworden ist. Deshalb werden diese hier näher beleuchtet, ihre Geschichte und Weiterentwicklung beschrieben und ihre Einsatzgebiete aufgezeigt.

Da zu jedem Unternehmen Mitarbeiter und zu jedem Software-Projekt Entwickler gehören, werden im folgenden auch die wichtigsten Personen, die an der Entwicklung und Verbreitung von freier Software beteiligt sind, allen voran Richard Stallman, Eric Raymond und Linus Torvalds, vorgestellt.

2.1 Free Software Foundation (FSF)

Die Free Software Foundation wird im allgemeinen als Wurzel der freien Software bezeichnet. Über ihre Entstehung und ihren Gründer, die schillernde Figur des Richard Stallman, seien an dieser Stelle einige interessante Dinge erwähnt.

Als Stallman 1971 seine Tätigkeit im Artificial Intelligence Lab des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge aufnahm, kümmerte er sich um die Entwicklung des Betriebssystems ITS (Incompatible Timesharing System) für Digitals Großrechner PDP-10. Er und seine Mitarbeiter waren Teil einer Gemeinde, deren Kennzeichen die gemeinsame Entwicklung und Benutzung von Software war. Kollegen aus dem MIT, Freunden von der Universität oder Programmierern aus Unternehmen ließ man an den Früchten der eigenen Arbeit teilhaben und umgekehrt. Der Austausch von Quellcode war eine ganz natürliche Sache und Voraussetzung, um Programme zu verstehen, zu verbessern und von Fehlern zu bereinigen. Stallman wurde bewußt, daß dies nicht nur eine effiziente Methode zur Softwareentwicklung war, sondern für ihn ganz persönlich eine Lebensweise darstellte.

Nachdem Anfang der 80er Jahre viele von Stallmans Kollegen von einer anderen Firma abgeworben wurden und das AI-Labor am MIT einen neuen Rechner kaufte, dessen Administratoren sich aber für Digitals eigenes, proprietäres Betriebssystem entschieden, brach die Gemeinschaft schnell auseinander. Mittlerweile war es unmöglich geworden, einen modernen Computer ohne proprietäre Software zu nutzen.

Die Tatsache, daß proprietäre Software seinen Lizenznehmern nur das Benutzen (und das auch nur für viel Geld), nicht aber das Verändern, Verbessern und Weiterverbreiten (in Quelltext und binärer Form) erlaubt, widersprach der sozialistischen Grundhaltung Stallmans, allen Individuen einer Gesellschaft gleiche Rechte einzuräumen. Er sah, daß jeder Anwender dann der Willkür des kontrollierenden Softwareherstellers ausgeliefert wäre. Außerdem befürchtete er, daß nun sein Arbeitgeber Rechte auf seine eigenen Programme anmelden könnte, wodurch ihre freie Verbreitung unterbunden wäre.

"I consider that the golden rule requires that if I like a program I must share it with other people who like it. Software sellers want to divide the users and conquer them, make each user agree not to share with others. I refuse to break solidarity with other users in this way." - Richard Stallman, Free Software Foundation

Die Konsequenzen ziehend verließ Stallman 1983 das MIT mit dem Ziel, eine neue Bewegung aus der Taufe zu erheben, die den Geist von freier Software verkörpern sollte: die Free Software Foundation. Sein Credo "Think free speech, not free beer" beugt Mißverständnissen des Wortes "free" vor. Frei meint also nicht kostenlos, sondern ist im Sinne von Freiheit zu verstehen. Die FSF sollte diese Philosophie predigen, aber natürlich auch als Koordinationsstelle für Projekte freier Software dienen und deren Durchführung finanziell absichern.

Das erste Geld floß, als Stallman an alle, die sich für seine Software - in erster Linie war das damals sein Editor Emacs - interessierten, eine Kopie gegen eine Gebühr von 150 Dollar zuschickte. Er hatte zwar sein Werk bereits auf einem Server zur Verfügung gestellt, doch kaum jemand hatte zu dieser Zeit Zugang zum Internet.

"Free software is a matter of liberty, not price. To understand the concept, you should think of 'free speech', not 'free beer'." - Richard Stallman

Um nun die Wunschvorstellung von einer teilenden Software-Gemeinde zu realisieren, mußte eine Plattform geschaffen werden, mit der sich Hacker identifizieren konnten, sie einluden, daran teilzuhaben; etwas, das freie Software repräsentieren und was jeder benutzen konnte: Ein eigenes, vollständig freies Betriebssystem. Die Geburtsstunde des GNU-Projekts.

Es mußten spezielle Lizenzbedingungen formuliert werden, um vor einer "feindlichen Übernahme", d.h. die Umwandlung des GNU-Systems in proprietäre Software, gefeit zu sein. Als Grundlage nahm Stallman das US-Copyright-Gesetz und kehrte es in sein Gegenteil um, woraus schließlich die Wortschöpfung "Copyleft" resultierte. Seine zentrale Idee ist das Recht eines jeden, Software zu benutzen, zu kopieren, zu verändern und (auch in veränderter Form) zu verbreiten, wobei diese Änderungen ebenfalls frei sein müssen. Ausdruck fanden diese Gedanken in der GNU General Public Licence (GPL) (siehe 4.2.1), die 1989 von der FSF eingeführt wurde.

Der kurioseste Aspekt der GPL ist ihr viraler Effekt. Werden Teile von Software, die der GPL unterliegen, in eigene Entwicklungen eingebaut, so müssen diese ihr ebenfalls unterliegen und entsprechend frei sein. Das verdeutlicht die Unvereinbarkeit von GPL-Programmen mit proprietärer Software. Ein Ausweg bietet die GNU Library GPL (LGPL), die unter gewissen Umständen das Kombinieren mit proprietärer Software erlaubt (siehe 4.2.2).

Im Laufe der Zeit wuchs die FSF ebenso wie ihr finanzieller Bedarf. Gedeckt wurde er durch Spenden, durch Verkauf von GNU-Software und deren Handbücher (mit dem Recht, sie zu verändern und weiterzuverteilen). Außerdem wurden ihr Rechner und andere Hardwarekomponenten bereitgestellt.

Stallman beklagt in letzter Zeit häufig das fehlende Bewußtsein der Anwender für den politischen Gedanken, den die freie Software-Bewegung initiiert hat. Man spräche nur von Linux wegen seiner Stabilität, Flexibilität und anderer technischer Vorzüge, nicht aber über seine Freiheit und darüber, daß das GNU-System ein sehr großer Bestandteil von Linux ist. Aus denselben Gründen kritisiert er den Begriff "Open Source" und seine formgebende Organisation, die Open Source Initiative mit ihren Fürsprechern Eric Raymond, Linus Torvalds, Tim O'Reilly und anderen. Open Source spiegele nur das Entwicklungsmodell für freie Software wider und sei, so Stallman, zu sehr auf technische Aspekte fixiert. Es vernachlässige aber die politischen und gesellschaftlichen Gesichtspunkte freier Software, seine Ideologie [12].


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