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Kapitel 3 (b)

3.2 Linux

Der Erfolg eines Betriebssystems läßt sich in der Regel anhand der Anzahl seiner Installationen messen. So gesehen ist Linux mit wenigen Prozentpunkten Marktanteil gegenüber Windows mit über 90 Prozent nur ein Nischenprodukt. Anders sieht die Lage im Server-Bereich aus: Laut Marktforschungsinstitut IDC hat Linux dort schon 1999 den zweiten Platz mit 25 Prozent hinter Windows NT mit 38 Prozent eingenommen. Und schaut man sich aber die Entwicklung in den letzten ein oder zwei Jahren an, so ist festzustellen, daß sich Linux schneller als jedes andere Betriebssystem zuvor verbreitet. Es hat den Ruf eines bedienerunfreundlichen, komplizierten Hacker- und Bastler-Systems längst abgelegt.

Wie entstand aber nun Linux? Wer hat es entwickelt? Im Vergleich zu kommerziellen Betriebssystemen hat Linux eine völlig andere, sehr interessante Geschichte.

Linux ist ein Unix-ähnliches Betriebssystem, das seinen Ursprung 1991 an der Universität von Helsinki fand. Der dort studierende Linus Torvalds kam auf die Idee, ein "richtiges" Unix für den damals aufkommenden 80386er Prozessor zu schreiben, also ein PC-Unix. So kündigte er sein Vorhaben in der Newsgroup comp.os.minix an:

  Hello everybody out there using minix -
  I'm doing a (free) operating system (just like a hobby,
  won't be big and professional linke gnu) for 386(486)
  AT clones.

Als Grundlage nahm er das von Professor Andrew Tanenbaum für Lehrzwecke entwickelte Minix. Er orientierte sich während seiner Programmierarbeit an bereits vorhandenen, ausgereiften Standards wie z.B. dem System V- und dem POSIX-Standard. Letzteres trägt viel zur Anerkennung von Linux bei, denn besonders in den USA gilt die Unterstützung von Standards wie POSIX als Voraussetzung für öffentliche Ausschreibungen.

Torvalds entschied sich dafür, den Quellcode frei verfügbar zu machen. Dazu unterstellte er ihn der GPL und veröffentlichte ihn im Internet. Nach der Version 0.02 1991 folgte die Version 1.0 1994, 2.0 1996 und schießlich die aktuelle Version 2.2.14. Heute konzentriert er sich statt auf die eigentliche Programmierung mehr auf die Koordinierung der Entwicklung, damit diese nicht in eine falsche Richtung abdriftet. Das ist ihm bis jetzt gut gelungen, denn Linux ist ein einheitliches System auf verschiedenen Architekturen (Intel, DEC-Alpha, Mac, Amiga, MIPS, Palm Pilot (!)) geblieben. Ganz im Gegensatz steht dazu die Zersplitterung von Unix in seine zahlreichen, kommerziellen Derivate, die immer wieder wegen Inkompatibilitäten zu Diskussion führ(t)en und Verwirrungen auslös(t)en.

Linux selbst bezeichnet im Prinzip nur den Kern des Betriebssystems, samt Datei- und Speicherverwaltung, Low-Level-Funktionen etc. (Kernel). Alle darüberliegenden Softwarekomponenten, z.B. die mächtige Shell als Kommandointerpreter, die grafische Benutzeroberfläche X-Window, Systemtools usw., sind nicht an Linux gebunden; sie sind austauschbar. Diese Tatsache beweist den modularen Aufbau und gibt dem Anwender Möglichkeiten, sein System nach eigenem Ermessen anzupassen, in einem Maße, wie es bei kaum einem anderen Betriebssystem der Fall ist.

Viele solcher Komponenten, insbesondere Systemprogramme wie Compiler und Debugger, Tools wie awk und sed oder Anwendungen wie Editoren und Textverarbeitungen, waren bereits vor der Entstehung von Linux als freie Software für Unix-Systeme im GNU-Projekt entwickelt worden. Es war keine allzu schwierige Aufgabe, diese nach Linux zu portieren. Sie wurden mit Torvalds Linux-Kernel zum GNU/Linux-System vereint.

Neben GNU gibt es viele weitere Arbeitsgruppen, Institutionen, Firmen und Privatleute, die nützliche Software für Linux schreiben. Um all diese unter einen Hut zu bringen, gibt es sogenannte Distributoren. Sie fassen sämtliche Programme (evtl. auch proprietäre) zu einem Paket zusammen, das als Ganzes angeboten wird. Die Distributoren pflegen den Kontakt zu Entwicklern und beschäftigen oft auch eigene, um ihr Produkt von der Konkurrenz abzuheben. Einige setzen sich auch politisch sehr stark für die Verbreitung der freien Software ein. Das ist wichtig, denn oft sind es zuerst sie, mit denen ein neuer Anwender von freier Software in Verbindung tritt. Damit die - durch (teilweise nichtfreie und proprietäre) eigene Entwicklungen ergänzten und erweiterten - Linux-Systeme einzelner Distributoren nicht zu weit auseinanderdriften, hat man sich auf den Standard LSB (Linux Standard Base) geeinigt, der die Lauffähigkeit von Anwendungen auf allen Distributionen garantieren soll.

Als namhafte Distributoren sind Red Hat, S.u.S.E. Corel, Caldera, Debian, Turbo Linux und Slackware zu nennen, von denen sich zwar keiner auf bestimmte Einsatzbereiche beschränkt, aber trotzdem in verschiedenen Gebieten öfter als woanders zutage treten. Beispielsweise ist Red Hat sehr stark in den Vereinigten Staaten auf Server-Plattformen verbreitet, S.u.S.E. hingegen ist mehr bei Privatanwendern in Europa, insbesondere in Deutschland, vertreten, nicht zuletzt wegen der einfachen Installation und der Sprachanpassung.

Insgesamt betrachtet sind die meisten Installationen auf Servern zu finden, was sich auf die Stabilität, Flexibilität und Geschwindigkeit von Linux zurückführen läßt. Gerade im Internet/Intranet-Bereich ist es häufig vertreten, aber auch als Datei- und Drucker-Server und sogar als Windows-Server (siehe 3.9) sehr beliebt.

Für den Privatanwender gelten aber ganz andere Anforderungen an ein Betriebssystem. Es muß sich einfach und komfortabel bedienen lassen, und es müssen viele Anwendungen vorhanden sein. Zahlreiche Software-Projekte wie z.B. KDE, GNOME oder GIMP versuchen, dieses zu realisieren, so daß Linux auch als Desktop-System für den Heimanwender am PC eine ernstzunehmende Alternative darstellt. Einige Unternehmen statten bereits ihre Arbeitsplatzrechner mit Linux-Desktops aus, u.a. der Autoverleih SIXT.

Am derzeitigen Erfolg von Linux wollen auch Hardwarehersteller wie z.B. IBM, Sun und Compaq teilhaben, die nun einige ihrer Maschinen mit dem freien Unix ausliefern. Die Abkehr von kommerziellen Unixen (AIX, HP-UX, Solaris etc.) hin zu Linux scheint sich zu verstärken. Viele sehen es auch als einzige Alternative zu Windows NT. Dennoch ist sein Potential im kommerziellen, industriellen Umfeld nur schwer auszuloten, denn der Markt der Betriebssysteme ist ständig in Bewegung; man denke an das neue Windows 2000.

Einem rasanten Aufstieg könnte auch ein ebenso schneller Absturz folgen. Wenn sich das Gedankengut der Open-Source-Gemeinde, sein Softwareentwicklungsmodell, seine Ideologie aber weiter verbreitet, anerkannt wird und genug Anwendungssoftware bereitsteht, dann könnte es Linux gelingen, ein festen Platz auf den Festplatten der PCs von Unternehmen und Privatleuten zu ergattern.

"I knew I was the best programmer in the world. Every 21-year-old programmer knows that. How hard can it be, it's just an operating system?" - Linus Torvalds, Entwickler des Linux-Kernels

Zum Schluß seien noch einige Worte zur Person Linus Torvalds erwähnt: Linus hat Linux in seiner Freizeit während seines Studiums entwickelt. Zweifelsohne hätte er nach seiner Fertigstellung damit Geld verdienen können, aber er tat es ganz bewußt nicht. Der Gegenwert seiner Arbeit bestand in der Anerkennung tausender Entwickler, die seinen Dienst für die Allgemeinheit würdigten. Aber um ein solches Projekt überhaupt erst anzugehen, bedarf es einer überaus großen "Selbstüberschätzung der eigenen Programmierfähigkeiten", wie Torvalds seine Anfänge selbst beschreibt. Er gehört nicht zu den "Predigern" der reinen Lehre von freier Software wie Richard Stallman, der von vielen als radikaler Idealist und Missionar betrachtet wird. Torvalds sieht die Dinge von der praktischen Seite, er unterscheidet oft nicht einmal zwischen proprietärer und freier Software. Er nutzt letztere deshalb mehr, weil er sie nach eigenen Bedürfnissen anpassen kann. Ihm ist wichtig, daß jeder Linux nach eigenem Gutdünken nutzen kann.


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