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Kapitel 3 (c)

3.3 FreeBSD

FreeBSD ist trotz seiner - im Verhältnis zu Linux - geringen Verbreitung ein sehr beliebtes, freies, Unix-kompatibles Betriebssystem für Intel-Architekturen und DEC-Alpha.

Vor über zwei Jahrzehnten teilte sich Unix in zwei große Entwicklungslinien auf, der von AT&T und BSD (Berkeley Software Distribution). Letztere entstand an der Universität von Berkeley in Kalifornien, aus der später u.a. das System 4.3BSD-Lite resultierte. Die Portierung auf die Intel-Plattform (386BSD) 1993 war recht fehlerhaft und unvollständig, weshalb eine ganze Crew sich um Patches und Bugfixes kümmerte, die schnell zu einem unübersichtlichen Paket wuchsen. Doch dieses Projekt wurde aufgelöst, ohne den Entwicklern die genauen Gründe darzulegen und ihnen andere Arbeiten zuzuteilen.

Die Mitglieder dieser Projektgruppe wollten ihre Arbeit dennoch weiterverfolgen und entwickelten aus 386BSD ein neues, bereinigtes FreeBSD. Als eines dieser Mitglieder, Jordan K. Hubbard, versuchte, einen Vertriebspartner zu finden, wurde er bei der Firma Walnut Creek CDROM fündig, die nicht nur großes Interesse für FreeBSD zeigte, sondern es auch finanziell unterstützte, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch ein unbekanntes und undefiniertes Produkt war. Ohne Walnut Creek CDROM wäre FreeBSD niemals zu dem geworden, was es heute ist. Hier ist der Weg vom Entwickler zum Endanwender also ein anderer als bei Linux.

Nach der Version 1.0 im Dezember 1993, übrigens auch mit Softwarekomponenten aus der Free-Software-Foundation-Schmiede GNU, gab es eine für FreeBSD nicht ungefährliche Phase, denn bei einem Prozeß zwischen Novell und der Universität von Berkeley wurden Teile des Net/2-Releases von 4.3BSD Lite - und somit auch Codefragmente von FreeBSD - Novell als Eigentum zugesprochen. Man versuchte nun, als Basis für ein neues FreeBSD (Version 2.0) ein anderes Release zu nehmen, das von den Novell-Codeteilen befreit war: 4.4BSD Lite. Diese Umstellung dauerte bis Ende 1994 an. Weitere Versionen folgten dann wesentlich problemloser: 2.1.5 im August 1996, 3.0 im Oktober 1998 und das aktuelle Release 3.4 seit Dezember 1999.

Heute ist FreeBSD ein stabiles Betriebssystem, das durch softwaretechnische Beiträge von hunderten von Programmierern lebt. Da diese aber koordiniert ablaufen müssen, exisitiert ein Kern-Team aus 16 Entwicklern, die in verschiedenen Bereichen (Systemarchitektur, Netzwerk, Sicherheit, Release-Management, PR etc.) tätig sind. Ein Großteil der Entwickler, Organisatoren und Koordinatoren arbeiten unentgeltlich, einige erhalten von ihren Arbeitgebern Bezuschussungen, falls diese ein eigenes Interesse für FreeBSD hegen.

Die Ziele dieses Projekts unterscheiden sich im wesentlichen nicht von denen, die Linux auszeichen: Die Versorgung von Anwendern mit einem vollständigen Betriebssystem einschließlich Anwendungen, das keine Restriktionen hinsichtlich seiner Benutzung aufweist. Teile des Codes unterliegen der GPL und der LGLP. Da sich aber die Benutzung von GPL-Software im kommerziellen Sinne oder im Zusammenhang mit proprietärer Software als sehr schwierig erweist, nutzt das Team um FreeBSD meist die in dieser Hinsicht gelockerte BSD-Lizenz (siehe 4.2.3).

Nach Schätzungen von Hubbard, u.a. auf einem Counter basierend, der versucht, die Anzahl der weltweit installierten FreeBSD-Systeme zu ermitteln, existieren mindestens 1,5 Millionen Benutzer.

Genau wie bei Linux haben sich auch um FreeBSD mehrere Gemeinschaften gegründet, die das Ansehen und die Verbreitung dieses Betriebssystems fördern, sowie Software, Dokumenation, Neuigkeiten und andere Informationen bereitstellen. Es gibt sogar eine Promotion- und Marketingvereinigung, die FreeBSD Advocacy.

Grundsätzlich existieren keine Beschränkungen bezüglich des Einsatzgebiets von FreeBSD, jedoch hat sich eines als besonders geeignet herausgestellt. Die sogenannten Internet Service Provider loben die Ausfallsicherheit und Stabilität des freien BSD-Unix.

Neben FreeBSD gibt es zwei weitere interessante, ebenfalls freie BSD-Unixe: OpenBSD und NetBSD. Bei OpenBSD hat der Aspekt Sicherheit (Kryptographiesoftware) mehr Gewicht, bei NetBSD ist es die Portabilität.


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