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Kapitel 3 (e)

3.5 GNOME

GNOME (GNU's Network Object Model Environment) ist der zweite Kandidat im Bunde der freien Desktops. Die Ziele sind im wesentlichen die gleichen wie bei KDE: Die Bereitstellung einer integrierten, grafischen Benutzeroberfläche, die komfortabel zu bedienen und einfach zu konfigurieren ist. Portierungen existieren für die Plattformen Linux, alle freien BSD-Unixe, Solaris, IRIX, HP-UX und AIX.

Das GNOME-Projekt wurde im August 1997 in einer Newsgroup im Internet ins Leben gerufen und konnte nach einem Jahr auf eine Entwicklergemeinde von rund 200 Mitgliedern zurückblicken. Nach der Version 0.20 im Mai und 0.3 im September 1998 veröffentlichte man das erweiterte und fehlerbereinigte Release 1.0 im März 1999. Die aktuelle Version ist 1.0.55.

Die Koordination des Projekts findet hauptsächlich durch Mailing-Listen statt, die die Mitglieder mit den nötigen Informationen versorgen. Die Entwicklergruppe setzt sich aus Teilnehmern mit sehr unterschiedlichen Herkünften, Kenntnisständen und Erfahrungen zusammen. Der Gründer Miguel de Icaza betont dabei, daß auch die Beiträge von weniger erfahrenen Leuten sehr hilfreich seien.

Fast von Anfang an bekam GNOME (nicht nur) finanzielle Unterstützung vom Linux-Distributor Red Hat, dessen Entwicklungslabor RHAD Labs (Red Hat Advanced Development Laboratories) sich zum Ziel gesetzt hatte, GNOME zu fördern, indem es Programmierer rekrutierte, Code bereitstellte und beim Projektmanagement half. Natürlich hat Red Hat GNOME als Standard-Desktop in seine Distribution eingebaut. Auch das GNU/Debian-Team, die Consulting G.m.b.H. und einige andere Firmen betätigen sich als Sponsoren und Ratgeber innerhalb des GNOME-Projekts.

"Basically you give the programmers the motivation that their code is going to be used by everyone, that it's going to be free, and that people are going to reuse the code." - Miguel de Icaza, GNOME

GNOME war von vorneherein als ein völlig offenes, freies Software-Projekt mit hochflexiblen Komponenten konzipiert worden. Einzelne Bestandteile des Desktops sollten völlig unabhängig voneinander verwendbar sein und im Unterschied zu KDE den Entwickler nicht auf eine bestimmte Programmiersprache festlegen. Einen erheblichen Teil zu dieser Flexibilität steuert das von GNOME benutzte Toolkit GTK/GTK+ bei, das Schnittstellen zu Programmiersprachen wie C++, Objective C, Perl, Python bietet. Das unter der GPL/LGPL stehende GTK wurde ursprünglich für das GNU Image Manipulation Program (GIMP) entworfen, hat sich aber mittlerweile als eine der Standard-Klassenbibliotheken für grafische Anwendungen etabliert.

Schwierigkeiten bereitete am Anfang das Komponentenmodell. Man entschied sich zwar einstimmig für CORBA (Common Object Request Broker Architecture), aber da dies nur ein Standard und keine Software ist, mußte man sich nach einer Implementation umsehen, die dazu noch frei war. MICO erwies sich u.a. wegen seines Ressourcenhungers als unpassend und so setzte man auf eine stabile Version von ORBit. Diese Problematik zögerte die Entwicklung von GNOME um mehrere Monate heraus und zeigt deutlich die Zwickmühlen, die ein Open-Source-Projekt aufweist.

Damit freie Software erfolgreich ist, muß sie in überaus großem Maße offene Standards und weitverbreitete Softwarekomponenten nutzen und unterstützen. Das zeigt GNOME eindrucksvoll mit dem eben erwähnten Komponenten-/Objektmodell CORBA und dem Toolkit GTK/GTK+ sowie der Unterstützung des Standards für Dokumentation DocBook SGML, gängiger Methoden zur Internationalisierung und Lokalisierung, mehrerer Drag-and-Drop-Protokolle etc. [24].

GNOME kommt der Philosophie des GNU-Projekts von Richard Stallman und seiner Gemeinde näher als KDE. Es bietet dem Benutzer größere Freiheit bei der Wahl seiner Programmiersprache, Anwendungen und anderen Softwarekomponenten. Dieser Umstand ist lange Zeit umstrittenes Gesprächsthema im Internet gewesen, teilweise mit sehr hitzigen Debatten und Anschuldigungen. Meiner Meinung nach unverständlich, denn Mitglieder beider Projekte vertragen sich gut und tauschen sogar Entwicklungsergebnisse und Erfahrungen untereinander aus. Letztendlich ist es doch jedem freigestellt, welchen Desktop er benutzt.


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