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Kapitel 3 (f)

3.6 DNS/BIND

Diese außerhalb von Technikerkreisen fast völlig unbekannte Software ist für eine äußerst wichtige Dienstleistung im Internet verantwortlich. Ohne das Berkeley Internet Name Domain Paket (BIND) müßte jeder Internet-Benutzer zur Kommunikation mit anderen Computern schwer lesbare Zahlenkolonnen eintippen, die keinen inhaltlichen und leicht für den Menschen erfaßbaren Bezug zum angewählten Rechner bieten. BIND übernimmt die Umsetzung dieser IP-Adressen in verständliche Domainnamen.

Die Ursprünge von BIND sind, wie der Name schon sagt, fest mit der Berkeley-Universität in Kalifornien verbunden, wo Anfang der 80er Jahre das BIND-Projekt unter der Aufsicht der US Defense Advanced Research Projects Administration (DARPA) als eine Diplomarbeit von einer Gruppe von Studenten entwickelt wurde. Die ersten Versionen wurden von der Computer Systems Research Group (CSRG) an der Universität betreut.

Später stießen andere Entwickler hinzu, darunter Kevin Dunlap, Angestellter der Digital Equipment Corporation (DEC), der von 1985 bis 1987 das Projekt leitete und dessen Arbeitgeber die Versionen 4.9 und 4.9.1 veröffentlichte. Seit dieser Zeit ist Paul Vixie die tragende Figur rund um BIND. Zunächst ebenfalls bei DEC angestellt, gründete er seine eigene Firma Vixie Enterprises, die gleichzeitig als Sponsor für seine Software fungierte. Seit dem Release 4.9.3 werden alle Versionen von BIND vom Internet Software Consortium (ISC) entwickelt, in dem Vixie Enterprises aufgegangen ist.

Das ISC wurde als gemeinnützige Organisation 1993 gegründet. Sie ist nun Schirmherr von weiterer protokollnaher Internet-Software und -Dienstleistungen. Leider blieben größere Spenden von Firmen aus und man mußte andere Geldquellen suchen, um das ISC zu finanzieren. Als eine Möglichkeit ersann man den bezahlten Support und Schulungen für die entwickelte Software. Aber weiterhin sucht der Vorstand nach einem neuen Modell, um das Überleben langfristig zu sichern. Auf keinen Fall erwägt man einen Umsturz des Entwicklungsmodells von freier zu nicht-freier und bezahlter Software, denn oberstes Gebot des ISC ist weiterhin die frei verfügbare, offene Implementierung von Kern-Protokollen des Internet.

Nachdem BIND bereits mit der Version 8 einen großen Sprung gemacht hat, indem quasi die Hälfte der Software neu geschrieben wurde, erfährt es mit dem Release 9, das in diesen Tagen als öffentliche Beta verbreitet wird, eine erneute Revision, bedingt durch den enormen Wachstum des Domain Name System und die Gewährleistung gewisser Sicherheitsaspekte1.

DNS/BIND und andere Teile der Berkeley TCP/IP-Software-Suite sind das Fundament der Internet-Industrie und insbesondere auf Unix-Systemen zuhause, aber auch Microsoft liefert eine Version von BIND aus.

BIND arbeitet mit dem Domain Name System/Service (DNS) zusammen, eine verteilte Datenbank, die Domain-Namen beinhaltet. Jeder Rechner, der einen Teil dieser Datenbank unterhält, ist ein Name-Server. Die Kommunikation zwischen diesen, also beispielsweise das Annehmen und Weiterleiten von Namensanfragen, übernimmt DNS/BIND.

"The high wall we have to get over was in getting companies to stop believing that they had to 'own' all of their intellectual property that went into their products." - Paul Vixie, Internet Software Consortium

Paul Vixie ist eine bekannte Persönlichkeit in der Open-Source-Szene. Er setzt sich nicht nur für seine Software-Projekte innerhalb des ISC, sondern auch stark für die Lösung von Sicherheitsproblemen im Internet und für die Bekämpfung des Spamming2 ein. Vixie sieht in der heutigen Zeit noch enormen Aufklärungs- und Überzeugungsbedarf seitens der Unternehmen: Sie müssen davon abgebracht werden, ihr gesamtes geistiges Eigentum, das in ihre Produkte einfließt, zu "besitzen", es der Öffentlichkeit zu verschließen.


1 Die Man denke an die neue IP Version 6 (IPv6), die schließlich unterstützt werden muß.

2 Mit Spamming meint man den Mißbrauch von E-Mail zu Werbe- oder anderen Zwecken.


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