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Kapitel 3 (h)

3.8 Apache

Im Jahre 1995, als das World Wide Web noch in den Kinderschuhen steckte, programmierte eine Gruppe von Entwicklern Patch-Dateien für den damals aktuellen NCSA-Web-Server (A PAtCHy server). Die Arbeit erwuchs schließlich zu einer eigenen Software, die heute als Apache-HTTP-Server für Furore sorgt. Es ist eines der erfolgreichsten Open-Source-Projekte überhaupt und beherrscht mit ca. 55 Prozent Marktanteil die Web-Server-Szene [25]. Alle acht Sekunden kommt eine neue Apache-gestützte Web-Site hinzu. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, daß diese Software ohne jegliche Marketingmaschinerie solche Beliebtheit erlangte.

Der Apache-Web-Server existiert in seiner aktuellen Version 1.3.9 für fast alle Unix-Derivate. Die Windows NT-Version hängt den Unix-Versionen in Sachen Stabilität etwas hinterher, woran aber fieberhaft gearbeitet wird.

Die tragende Organisation ist die im Juni 1999 gegründete und aus der Apache Group hervorgegangene Apache Software Foundation (ASF), die die Entwicklung rund um den Web-Server und viele andere Vorhaben betreut. Das traditionelle, verteilte Entwicklungsmodell von Open Source findet sich nur entfernt wieder, denn ein Merkmal dieses Projekts ist die zentrale Kontrolle des Quellcodes, die gewährleistet - hinsichtlich der rasanten Entwicklung des WWW - schnell Änderungen vorzunehmen.

"When you talk to someone who's not technical, they need to realize that there's an option, that there's a Pepsi to Microsoft's Coke." - Brian Behlendorf, Apache Software Foundation

Obwohl die ASF eine non-profit-Organisation ist, weist sie Charakteristika eines Unternehmens auf. Beispielsweise gibt es einen Aufsichtsrat, der von Mitgliedern der ASF gewählt wird, Verantwortung trägt und Entscheidungen fällt. Manager und Entwickler aus den unterschiedlichsten Institutionen gehören dem Aufsichtsrat an: z.B. Brian Behlendorf (O'Reilly), Ken Coar (IBM), Roy T. Fielding (Universtät von Kalifornien, Irvine) usw. Gerade kommerzielle Firmen wie IBM tragen seit einiger Zeit nicht unerheblich zum Apache-Projekt bei, indem sie ein eigenes Entwicklerteam bereitstellen. Sicherlich ist dies keine reine Geste der Wohltätigkeit - schließlich liefern sie den Apache-Web-Server als Teil ihres Web-Sphere-Produkts aus - aber es zeigt deutlich, daß sowohl kommerzielle Softwarehersteller und deren Kunden als auch die Open-Source-Gemeinde vom Erfahrungs- und Wissensschatz solcher Partnerschaften innerhalb einer Organisation wie die ASF profitieren können.

Durch diese professionelle Struktur gewinnt die ASF mehr und mehr Akzeptanz auf dem IT-Markt und kann dadurch finanzielle und organisatorische Unterstützung für all ihre Open-Source-Software-Projekte sicherstellen. Zu diesen gehören weitere Web-Applikationen und -Techniken wie beispielsweise

  • xml.apache.org: um professionelle XML-Lösungen zu fertigen

  • Jakarta, um server-seitige Java-Entwicklungen zu erstellen (u.a eine Java Servlet Engine und eine Java-Server-Pages-Referenz-Implementation)

  • mod_perl, um die Integration der mächtigen Skriptsprache Perl und des Apache-Web-Servers zu fördern

Brian Behlendorf ist der bekannteste Kopf der Apache-Gemeinde und ihr Pressesprecher. In letzter Zeit ist er öfter ins Rampenlicht der IT-Presse gerückt. Er zeigt damit ähnliche Präsenz in der Öffentlichkeit wie Linus Torvalds, Richard Stallman oder Eric Raymonds. Seine Arbeit bei O'Reilly hat das interessante Projekt sourceXchange hervorgebracht. Der Erfolg von freier Software hängt nach seiner Meinung in entscheidendem Maße davon ab, daß der Massenmarkt das gleiche Vertrauen in Open Source wie beispielsweise in die Marke Microsoft setzt. Es muß verdeutlicht werden, daß freie Software eine Alternative ist, so wie "Pepsi eine Alternative zur Microsofts Coke" ist, um es mit den Worten von Behlendorf zu formulieren.


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