DBUS! Deutschland

 
Portal
    
meist besuchte Seiten

Start | Inhalt | Weiter | Zurück

Kapitel 6 (g)

6.3.6 Consulting

Seit einiger Zeit erwägen die großen Consulter, freie Software in ihr Programm miteinzubeziehen. Der Markt im traditionellen Consulting-Geschäft mit Hard- und Software ist noch nicht gesättigt, denn mit der rasant zunehmenden Technikvielfalt wird eine gute Beratung immer wichtiger. Mit freier Software käme eine neue Facette hinzu.

Neben der rein beratenden Tätigkeit könnte auch eine entsprechende Evaluierung angeboten werden. Geht man noch einen Schritt weiter, ist man bei der Entwicklung von Lösungskonzepten und schließlich der Einführung eines neuen Systems.

6.3.7 Seminare/Schulungen/Konferenzen

Seminare und Schulungen im Zusammenhang mit proprietärer Software gibt es zuhauf. Wird ein neues Produkt eingeführt, so gehört dazu auch eine Schulung der Anwender (vom Hersteller). Seminare dagegen sind oft allgemeiner gehalten und werden von unabhängigen Organisationen veranstaltet, angefangen von der Volkshochschule bis hin zu spezialisierten EDV-Dienstleistern.

Im Open-Source-Sektor ist diese Form der Informations- und Wissensvermittlung noch alles andere als Usus. Vorreiter in dieser Rolle ist der IT-Verlag O'Reilly, der sich aktiv an der Promotion von freier Software beteiligt. Er veranstaltet Konferenzen, an denen so berühmte Verfechter von Open Source wie Eric Raymond, Brian Behlendorf und Larry Wall teilnehmen. Neben den eher technischen Linux-, Apache- und Perl-Konferenzen richtet O'Reilly auch eine geschäftsorientierte Konferenz aus, in der Vorträge gehalten werden, die den allgemeinen Einsatz von freier Software in Unternehmen, die Finanzierung einer Open-Source-Firma, Lizenzmodelle und vieles mehr behandeln.

In kleinerem Rahmen können solche Veranstaltungen, insbesonderer Seminare, ein lohnendes Geschäft auch für ein sehr junges Unternehmen sein. Voraussetzung dafür ist neben der fachlichen Kompetenz für das jeweilige Thema auch ein pädagogisch-didaktisches Talent und eine gute Präsentation.

6.3.8 Sonstige Dienstleistungen

Weitere Serviceleistungen bieten sich in den Kategorien Installation und Konfiguration an. Die Firma Lunetix installiert Linux-Systeme und betreut sie. Einrichtung von Internet und Intranet auf Basis freier Software, Migrationen oder ganze Komplettlösungen sind ebenfalls ein Geschäftsfeld. Gerade letzteres wird zunehmend von Kunden verlangt. Statt nur die Technik einzukaufen, möchten sie viel lieber ein interessantes Lösungskonzept in den Händen halten, das in ihrer Produktionsumgebung sinnvoll umgesetzt werden kann.

6.3.9 Bücher/Dokumentation

Wenn die begleitende Dokumentation zu einer freien Software nicht gut oder ausführlich genug ist - ein häufiger Fall -, so verlangt der Anwender Abhilfe. Open-Source-Software wird künftig - wie bei nicht-freier Software schon seit Jahren geschehen - auch von Nicht-Spezialisten eingesetzt werden. Hier ist grundlegender Aufklärungsbedarf ebenso wie weiterführende und übergreifende Literatur gefragt.

IT-Verlage wie Addison-Wesley und insbesondere O'Reilly haben diese Lücke erkannt und bringen Bücher über freie Software heraus, die in den Verkaufszahlen häufig die über proprietäre Software weit hinter sich lassen. In dieser Branche ist seit ein paar Monaten ein interessanter Trend entstanden: Statt daß die Verlage ihre eigenen Autoren einsetzen oder fremde für sich schreiben lassen, nimmt man frei verfügbare Dokumentation, stellt sie zusammen, druckt sie in Buchform aus und verkauft sie. Das GIMP-Handbuch und einige der bekannten Linux-Howtos gelangten so in die Regale der Buchhändler. Die Vorteile für den Leser sind ähnlich wie die des Anwenders von Softwaredistributionen. Er braucht sich die Dokumentation nicht aus dem Internet herunterzuladen, geschweige denn wohlformatiert auszudrucken; schlicht und ergreifend Zeit- und Aufwandsersparnis.

6.3.10 Online-Magazine/Online-Dienste

Aktive Gemeinden, wie sie um freie Software entstehen, verlangen nach aktuellen und ausführlichen Informationen. Neueste Trends und Entwicklungen müssen beobachtet, weiterführende Berichte geschrieben und Interviews geführt werden. Statt aber daraus ein relativ kostenaufwendiges, gedrucktes Magazin zu erstellen, bietet es sich an, als Online-Dienst zu fungieren. Slashdot hat bewiesen, daß sich in diesem Feld ein ergiebiges Geschäft aufbauen läßt. Die Web-Site slashdot.org ist stark frequentiert und ihre Mutterfirma Andover ging im September 1999 an die Börse.

Linux-Magazine finden sowohl in ihrer Online- als auch in ihrer gedruckten Version immer mehr Leser. Im deutschsprachigen Raum ist der Pionier, das Linux-Magazin, nicht mehr allein auf weiter Flur. Die werbetreibende Industrie scheint nun auch freie Software in großem Maße zu entdecken, und Werbung ist die Haupteinnahmequelle der Magazine und Online-Dienste.

6.3.11 Accessoires

Auch wenn freie Software den akademischen Schuhen entwachsen ist und das ernste Business erobert, so wird es doch für die meisten Entwickler und Anwender ein Hobby bleiben. Eine solche Fan-Gemeinde benötigt Fan-Artikel. Als kleines Nebengeschäft bieten Buchhandlungen, Verlage, Distributoren und andere Firmen T-Shirts, Mousepads, Tassen und Schlüsselanhänger an; Merchandising in kleinem Rahmen.

6.3.12 Mischformen

Fast alle Unternehmen, die in der Open-Source-Branche zu finden sind, betätigen sich auf mehreren der eben erwähnten Geschäftsfelder. Red Hat ist nicht nur Distributor, sondern auch Entwickler, Supporter und Consulter. Cygnus entwickelt eigene Programme auf Basis vorhandener, freier Software und bietet dazu Support an. Linux Mall ist ein Online-Warenhaus für alles rund um Linux. Corel und Cobalt bauen Server-Systeme mit freier Software, warten und pflegen sie. O'Reilly verkauft Bücher, veranstaltet Konferenzen und fördert Open-Source-Software. All diese Beispiele beweisen, daß es sehr wohl möglich ist, mit freier Software Geld zu verdienen. Ob daraus ein eigener, lukrativer Markt erwächst, der in Konkurrenz zur proprietären Software steht, wird die Zukunft zeigen.


Start | Inhalt | Weiter | Zurück

Kommentare, Anregungen, Berichtigungen, Verbesserungsvorschläge oder anderes Feedback an info@dbus.de

    
Sie sind nur einen Click vom Ziel entfernt
Source Code By Dirk Busskamp And Web Design By Sabine Busskamp
 
info@dbus.de   © 2000 - 2017 DBUS! Deutschland   www.dbus.de  -  Impressum